Neue Nachhaltigkeitsregeln: Friseure warnen vor zusätzlicher Bürokratie

Mit dem Inkrafttreten der EmpCo-Richtlinie gelten ab heute strengere Anforderungen an Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen in der Kommunikation. Davon sind auch die Friseurbetriebe in Niedersachsen betroffen. Das Friseurhandwerk begrüßt das Ziel, Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführenden Umweltaussagen und Greenwashing zu schützen. Gleichzeitig besteht aus Sicht der Branche die Sorge, dass die neuen Vorgaben gerade kleine und mittlere Salons vor erhebliche praktische Herausforderungen stellen.

„Nachhaltigkeit darf nicht zum juristischen Minenfeld werden. Wenn ein Salon Wasser und Energie spart, Haare zur Wiederverwertung sammelt oder bewusst nachhaltigere Produkte einsetzt und auf seiner Website oder in den sozialen Netzwerken über diese Nachhaltigkeitsmaßnahmen spricht, darf daraus kein juristischer Blindflug werden“, sagt Marcel Springmeier, stellv. Landesinnungsmeister.

Gerade im Friseurhandwerk gibt es zahlreiche konkrete Maßnahmen für einen ressourcenschonenderen Salonbetrieb: Friseurbetriebe investieren beispielsweise in wassersparende Technik, energieeffiziente Geräte, die Aufbereitung von Haaren oder nachhaltigere Produkte. Diese Leistungen wollen und sollen Betriebe auch gegenüber ihren Kundinnen und Kunden sichtbar machen.

Genau hier sehen die Friseure eine praktische Schwierigkeit. Allgemeine Aussagen wie „nachhaltiger Salon“, „umweltfreundliche Produkte“ oder „klimafreundlich“ können künftig rechtlich problematisch sein. Gleichzeitig werden solche Formulierungen im Alltag häufig von Betrieben in kurzen Social-Media-Beiträgen, auf Websites, Flyern oder im Schaufenster verwendet.

„Wir brauchen keine Verbote, die dazu führen, dass ein kleiner Salon aus Angst vor einer Abmahnung lieber gar nicht mehr über seine Nachhaltigkeitsmaßnahmen spricht“, so die Landesinnungsmeisterin Manuela Härtelt-Dören weiter. „Wir brauchen klare Regeln, die ein Friseurbetrieb mit vertretbarem Aufwand verstehen und anwenden kann.“

Friseure brauchen Rechtssicherheit statt zusätzlicher Bürokratie

Auch bei Nachhaltigkeitssiegeln und Produktinformationen können sich für einen Salon neue Anforderungen ergeben. Wer beispielsweise Shampoo oder Pflegeprodukte verkauft, muss künftig genauer darauf achten, mit welchen Nachhaltigkeitsmerkmalen und Siegeln diese Produkte beworben werden.

„Wenn ich als Friseurmeisterin oder Friseurmeister ein Produkt meines Lieferanten anbiete und mit den vom Hersteller zur Verfügung gestellten Informationen werbe, muss für mich klar sein, dass ich mich auf diese Angaben verlassen kann“, sagt Manuela Härtelt-Dören, Landesinnungsmeisterin des niedersächsischen Friseurhandwerks. „Ein kleiner Salon kann nicht die Nachhaltigkeitsangaben jedes einzelnen Herstellers rechtlich überprüfen. Das ist doch absurd!“

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